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Lernebenen

Bei der Zusammenstellung des Lehrstoffes ist neben der Entscheidung, welche Inhalte den Standards der jeweiligen Fachrichtung entsprechen, insbesondere die didaktische Aufbereitung des Lehrstoffes relevant. Dazu ist es hilfreich, sich im Vorhinein darüber Klarheit zu verschaffen, welche Lernziele verfolgt werden sollen. Insbesondere in der Hochschullehre mit dem höchsten Freiheitsgrad bei der Zusammenstellung des Lehrstoffes ist dieses essenziell. Aber auch im Bereich der Erwachsenenbildung, insbesondere für Prüfungen vor der IHK, ist im Rahmenlehrplan stets angegeben, in welcher Taxonomie der Lehrstoff aufzubereiten ist.

  • Erwerb von Wissen, z.B. Wiedergabe von Fakten, Konzepten und Theorien;
  • Verständnis, z.B. Wiedergabe mit eigenen Worten, ergänzt um eigene Erklärungen;
  • Anwendung von Wissen, z.B. für die Lösung von Standardaufgaben;
  • Analyse, z.B. Vergleich einer Theorie mit einer anderen Theorie;
  • Synthese, z.B. Ableitung von Lösungsvorschlägen für eine Aufgabe aus einer oder mehreren Theorien;
  • Evaluation, z.B. Untersuchung von Stärken und Schwächen einer Theorie auf der Basis empirischer Daten.

Wenn wir also Klausuren und Prüfungsfragen erstellen, dann sollten wir uns darüber bewusst sein, ob die Lernenden diese Fragen beantworten können, weil wir unseren Lehrstoff entsprechend obiger Unterteilung didaktisch aufbereitet haben.

1 Kommentar 1.3.06 11:57, kommentieren



Wiederholungsfragen

Aus der Lernforschung ist mittlerweile bekannt, dass Lehr- und Lernformen bevorzugt eingesetzt werden sollten, in denen existierendes Wissen auf seine Anwendbarkeit überprüft, ausgewählt und variiert wird. Dies fördere kreatives Denken und die Anwendbarkeit auf die Lösung neuer Probleme und Fragestellungen.

Zu Beginn einer jeder Lehrveranstaltung mit nicht mehr als 25 Lernenden hat sich meiner Erfahrung nach ein Bogen mit Wiederholungsfragen aus der letzten Lehrveranstaltung bewährt. Dort sind sowohl einfache Repetitionsfragen (nennen, definieren) als auch Anwendungen zu Konzepten oder Theorien enthalten (beschreiben, erklären) - so müssen die Lernenden in der Lage sein, die Theorie auf einen Praxisfall anwenden zu können.

Meistens gelingt dies nicht so gut und ich stelle fest, dass es mehrere grundsätzliche Quellen dafür gibt:

  • die Lernenden haben den Stoff nicht nachbearbeitet und deshalb einen Großteil wieder vergessen, was auf das Eichhörnchen-Syndrom schließen lässt;
  • sie haben die Inhalte der letzten Lehrveranstaltung nicht verstanden, aber trauten sich nicht, nachzufragen;
  • sie können die Konzepte und Theorien nicht auf den Praxisfall anwenden.

Der Grund für die Wiederholungsaufgaben ist für mich, den Lernenden vor Augen zu führen, wie sehr die Wissenslücke von Woche zu Woche wächst. Gelegentlich gebe ich Hinweise darauf, dass es soviel Lernstoff ist, dass es nicht *mal eben schnell* kurz vor der Abschlussprüfung in den Kopf gehämmert werden kann.

Zur Motivation der Lernenden nehme ich gelegentlich einfach alle Bögen mit, korrigiere sie und vergebe darauf Punkte, die aber nicht in die Endnote eingehen, sondern ein Feedback für die Lernenden sind. Es hat sich aber auch bewährt, die Antwortbögen zwischen den Lernenden auszutauschen und jeweils von den Lernenden benoten zu lassen; so erhalten sie einen direkten Einblick, was andere Lernende formulieren und welcher *Qual* der Dozent beim Korrigieren der Abschlussprüfung ausgesetzt ist (wegen meistens sehr schlechtem Schriftbild).

2.3.06 11:18, kommentieren

Lernziele

Wenn ich gelegentlich mein Auditorium danach frage, welches Ziel sie mit dem Besuch meiner Veranstaltung verfolgen, dann kommt fast immer die Antwort *die Prüfung schaffen*. Genaueres Hinterfragen führt dann meist zum Minimalprinzip: Prüfung schaffen mit dem geringstmöglichen Aufwand. Die Wenigsten wollen wirklich eine gute oder sehr gute Note - das ist wohl aber eher aus dem Fach heraus begründet; Pflicht oder Wahl.

Jeder Lernende geht zur Erreichung dieses Zieles nach seinem eigenen Konzept vor: einige orientieren sich an zurückliegenden Semestern und ihrer Schulzeit - *sammeln, sammeln und kurz vor der Prüfung in einem Kraftakt alles reinziehen - das funktioniert!*

Tatsächlich funktioniert dies aus meiner Perspektive in einigen Fächern ganz gut, in anderen Fächern weniger gut. Prüfungen, die auf reine Repetition aufgebaut sind, lassen sich mit einem *Lern-Kraftakt* kurz vor der Prüfung bestehen. Prüfungen, die auf Analyse und Synthese aufbauen, lassen sich so hingegen schwer bestehen.

Zu meiner Lehrphilosophie gehört es, mein Auditorium genau darüber zu informieren, aber ich stelle fest, dass sie auf mich als Dozenten am wenigsten hören. Warum vertrauen sie mir nicht? Es könnte daran liegen, dass ich keinen echten Beitrag zu ihrem Problem liefern kann, nämlich: die Prüfung zu schaffen.

Also muss ich mir Gedanken darüber machen, wie ich meine Veranstaltungen wirklich nützlich(!) für ihr (!) Ziel gestalten kann. Ein realistisches Lehrkonzept für eine bestimmte Veranstaltung prüft auch so banale Fragen, wie die, ob für bestimmte Aktivitäten überhaupt ausreichend Zeit in der studentischen 50-Stunden-Woche oder berufsbegleitend in der Erwachsenbildung vorhanden ist.

Dazu gehört es, das Konzept vorzustellen, Anleitungen zu geben und nach einigen Stunden auch nachzufragen, ob es funktioniert, um dann Änderungen vornehmen zu können. Dies ist eine klare Absage an die verbreitete Auffassung *Ich mache ein Lehrangebot - was die Lernenden damit anfangen, müssen sie selber wissen."

Ich denke, auch erwachsene Lernende brauchen noch *Anleitung zum Arbeiten und Lernen* im Sinne des Konzeptes des lebenslangen Lernens. Das heisst, wir müssen sagen, wie wir uns das Studieren und Lernen vorstellen und wie nicht; - und wie wir glauben, dass man "die Prüfung schaffen" kann.

Oft hat es bisher geholfen, wenn ich das Auditorium ganz kollegial darauf hinwies, welche Themenkreise immer mal wieder gefragt werden und welche Themenbereiche eher selten drankommen. So gebe ich indirekt eine Prioritätenliste der Themenbereiche vor und jeder Lernende kann für sich entscheiden, welche Lücken er lassen will, um sich bei seiner Wunschnote am Ende wiederzufinden.

Prüfungsrelevant ist selbstverständlich stets der gesamte Stoff, aber wir haben doch Themenbereiche, die wir regelmäßiger fragen als andere. 

1 Kommentar 3.3.06 16:33, kommentieren

Folien/Minute

Ob es wohl immer noch schneller geht? Gerade ist Olympia vorbei und es wurden noch immer Rekorde aufgestellt. Es scheint also immer noch schneller zu gehen. 

Trotzdem muss es doch eine natürliche Grenze geben. Studenten müssen, wenn sie in unseren Lehrveranstaltungen mitarbeiten, Denkprozesse ausführen. Gleiches gilt natürlich für die Lernenden in der Erwachsenenbildung und für Schüler. Mancher ist in diesen Denkprozessen ein bisschen schneller, manch einer braucht ein wenig länger. Wo aber ist die goldene Mitte zu finden?

Oft genug erlebe ich mich selbst, wie ich bei - für mich - einfachen Sachzusammenhängen immer schneller werden. Ich lasse einen Denkschritt aus oder verkürze ihn stark. Alles nur, um in der mir verbleibenden Zeit meinen Lehrstoff noch zu schaffen. Aber mein Auditorium ist längst ausgestiegen und ich sehe wieder das Eichhörnchen-Syndrom: sammeln, sammeln, sammeln für später.

Die Wissensvermittlung durch immer schnelleren Input zu beschleunigen, kann aber nicht funktionieren. Mitdenken braucht - auch in seiner schnellsten Form - eine merkbar endliche Zeit. Und sie ist nach meinen Beobachtungen sehr viel länger als wir das als Dozenten gerne hätten.

Eine grobe Richtlinie für einen Vortrag, der ausschließlich über Power-Point oder Folien läuft, besagt, dass pro Folie etwa 2-3 Minuten gerechnet werden sollten. Macht bei einer 90-minütigen Lehreinheit rd. 40 Folien, einschl. Strukturfolien wie Überschriften, Gliederungs- und Schlussfolien. Und das ist meiner Erfahrung nach noch immer zeitlich sehr eng geschätzt und gilt auch nur für Folien, die optimal beschrieben sind (Sie erinnern sich? 5 Zeilen, 5 Wörter).

Meistens redet man bei mancher Folie etwas mehr und bei manchen Folien etwa die geplante Zeit. Also gilt es, den Lehrstoff kräftig zu reduzieren und sich vor allem streng an die Richtlinie zu halten - oder besser: weniger ist mehr!

1 Kommentar 6.3.06 20:02, kommentieren

Gruppenpuzzle

Das Gruppenpuzzle ist eine sehr zeitaufwändige, dafür aber auch eine sehr aktivierende Lehrform. Gerade im Bereich der Hochschullehre wird damit das Selbstvertrauen der Studenten gestärkt und es ist eine willkommene Abwechslung zum erlebten Frontalunterricht in den meisten Vorlesungen und der Erwachsenenbildung.

Das Gruppenpuzzle ist in 5 Phasen eingeteilt:

  1. Vorbereitung des Lernmaterials: Der Dozent gliedert vorher den Stoff in z.B. vier Gebiete – so ergeben sich 4x4 Gruppen, also für 16 Lernende, oder 5x5=25 Lernende. Es muss sich die Wurzel bilden lassen.
  2. Themenbearbeitung: Es werden z.B. 4 Gruppen gebildet, jede Gruppe erhält das entsprechende Lernmaterial und die Lernenden bearbeiten nun ihren Teil des Unterrichts. Das ist in der Regel 1/4 oder 1/5 des gesamten Themengebietes. Kleine Fragen und Tests zur Selbstkontrolle zeigen ihnen, ob sie das Thema beherrschen; nach einem Selbststudium folgt die Expertenrunde.
  3. Expertengruppe: Die Lernenden mit demselben Thema treffen sich in einer Expertenrunde und besprechen es dort, indem sie sich gegen­seitig offene Fragen beantworten und zusätzliche Lernkontrollfragen lösen.
  4. Didaktische Vorbereitung: Die Expertengruppe überlegt sich nun, wie sie als Einzelperson in der späteren gemischten Gruppe den Lehrstoff präsentieren möchte. Neben einigen schriftlichen Details bieten sich  Visualisierungen und Wiederholungsfragen an. Da die gemischten Gruppen am Tisch verbleiben, sind als Medien lediglich Papier und Stift ratsam.
  5. Gemischte Gruppen: Aus jeder Expertengruppe verbleibt einer am Tisch, die anderen gehen zu den anderen Gruppen, sodass in jeder neuen – gemischten – Gruppe ein Experte aus jeder Expertengruppe sitzt. Reihum unterrichtet nun jeder sein Expertenthema.
 

Das Gruppenpuzzle hat mehrere Vorteile:

  • Mehr Selbstvertrauen der Lernenden: Es fördert insbesondere gebietsspezifisches Selbstvertauen, jedoch nicht so sehr allgemeines Selbstvertrauen.
  • Höhere Wertschätzung der Lernenden untereinander
  • die Gruppe lernt fachlich etwa gleich viel wie beim normalen Unterricht.  Dozenten behandeln ein Thema z.B. in einer Stunde. Für sie ist das Thema erledigt. Untersuchungen zeigen aber, dass Lernende die doppelte Zeit benötigen, um den Stoff zu beherrschen. Insofern ist die Mehrzeit gut investiert. 

Einige Anmerkungen noch zum Gruppenpuzzle

  • Stoffauswahl: Nehmen Sie ein Thema, das sich von ver­schie­denen Seiten beleuchten lässt - es sollten keine hierarchisch aufgebauten  Einführungsthemen sein.
  • Selbstkontrolle/Wiederholungsfragen: Diese sind vom Dozenten vorzugeben und genau auf das Lernziel abzustimmen
  • Ernstfall: Allen Teilnehmern ist klar, dass der Dozent nachher nicht nachbessert.
  • Motivation: Diese kommt aus daraus, dass jedes Gruppenmitglied das Gelernte  weitergeben muss und sich auch einmal in der Dozentenrolle wiederfindet.

Mir persönlich macht diese Lehrmethode sehr viel Spaß und auch wenn die Vorbereitungszeit sehr lang ist, so amortisiert es sich, wenn Sie die Unterlagen mehrmals benutzen.

1 Kommentar 7.3.06 09:39, kommentieren