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Wie erstelle ich gute Lernmaterialien? (V)

Was schon dran war:

Klare und einheitliche Struktur, motivierende Elemente, Lesbarkeit, Visualisieren, Fakten zum Nachschlagen

Was hier kommt: Lernkontrollen

Was noch kommt: --- Ende ---  

Lernkontrollen sind extrem wichtig, um einerseits die Redundanz und damit das Lernen zu fördern, andererseits, um als Lernender ein Feedback zu erhalten, wie viel vom Lernstoff schon im Kopf ist. Dazu bieten sich Testfragen und Aufgaben ideal an.

Multiple-Choice-Fragen: Wenn der Lernstoff gut in kleine Module geteilt ist, bieten sich am Ende eines Moduls Multiple-Choice-Fragen an. Diese verfestigen den Stoff besonders gut, wenn Phrasen aus dem Lernstoff unverändert oder nur leicht verändert als Antwortmöglichkeiten im Multiple-Choice wieder auftauchen. Vorsicht ist bei den Fragenformulierungen der MC geboten, denn zu schwer sollte es nicht sein, weil das MC mehr Redundanz als Lernkontrolle sein sollte. Finden sich in der Abschlussprüfunge keine MC-Fragen, so stoßen diese als „Zwischendurch“-Fragen oft auf Widerstand. Insofern sollten Sie betonen, dass es der Festigung des Wissens dient und weniger einer vorgezogenen Prüfungssituation.

Gute Erfahrungen habe ich mit selbstgebastelten farbigen Schildchen gemacht. Basteln Sie dazu die Antwortmöglichkeiten A-E auf 10x10 cm großen Kärtchen, kleben sie auf 30cm lange Stöckchen (alles im Bastelladen um die Ecke) und schon haben die Lernenden etwas zum Spielen. Das lockert die Stimmung zwischendurch auf und sie erfüllen ihren Zweck. Anhand der verschiedenen Farben können sofort und einfach die Lösungen erkannt werden. Abweichler werden sofort „entlarvt“ und wer sich unsicher ist, dockt seine Antwort ohnehin an der des Nachbarn an.

Richtig/Falsch-Fragen: Hiermit können einzelne Aussagesätze gefestigt werden. Insbesondere für definitionslastige Lehrtexte bietet sich diese Form an. Aber auch hier gilt wieder: nicht zu schwer, damit die Lernenden nicht resignieren. Meiner Erfahrung nach erfüllt es den Lernzweck schon, wenn in einer kleinen Tabelle nur 4 Fragen mit richtig oder falsch beantwortet werden sollen. Haben Sie die farbigen Schildchen noch, so ist grün=richtig und rot=falsch. Auch dies lockert ungemein auf.

Wiederholungsfragen: Auf einem A4-Blatt können ein paar Fragen des letzten Moduls aufbereitet sein in der Form, dass unter jeder Frage ein entsprechend großes Antwortfeld freigelassen wird. Idealerweise bieten sich Wiederholungsfragen zu Modulen an, die schon eine gewisse Zeit zurückliegen – während Multiple-Choice und Richt/Falsch-Fragen sofort im Anschluss eines Moduls gestellt werden können. In den Wiederholungsfragen kann alles verarbeitet werden, was Sie nicht über Multiple-Choice oder Richtig/Falsch abfragen wollen, also kausale Zusammenhänge, Aufzählungen oder Meinungen. Achten Sie bei den Fragestellungen auf die Taxonomie: Nennen und erklären als die beiden wichtigsten Fragestellungen reichen vollkommen aus. Die Größe des Antwortfeldes hilft den Lernenden zudem, den Umfang der Antwort in Etwa einschätzen zu können. Ich empfehle sogar eine zusätzliche Hilfe, indem Formulierungen gewählt werden wie: „Welches Ergebnis aus … in maximal 2 kurzen Sätzen“ oder „Erklären Sie in maximal 2 Sätzen …“. Bei der Formulierung „nennen“ stets die Anzahl der erwarteten Nennungen dazugeben.

Anhand des vorgefertigten Frageblattes kann der Dozent sehr schön sehen, welche Inhalte noch nicht gelernt wurden bzw. trotz Lernens noch nicht gefestigt sind. Da die Wiederholungsfragen ein wenig Zeit zum Beantworten benötigen, bemerkt der Lernende zudem, wie groß seine Wissenslücke ist und wie rasant sie größer wird, weil er womöglich „schon wieder“ nicht die Fragen beantworten kann.

Rechenaufgaben: Wenn eine Formel gelernt werden muss, bietet es sich an, Rechenaufgaben zu stellen, die immer und immer wieder die gleiche Formel abfragen – nur mit unterschiedlichen Zahlen. Variieren Sie die Eingangszahlen etwas, z.B. indem die für die Formel benötigten Zahlen erstmal errechnet werden müssen. Irgendwann sitzt die Formel so perfekt im Kopf – vom vielen Eintippen in den Taschenrechner – dass sie bis zur Prüfung sicher nicht mehr gelernt werden muss, weil sie sich praktisch ins Gehirn gebrannt hat. Dafür jedoch benötigt man viel Zeit, die nur in seltenen Fällen – insbesondere nicht in der Erwachsenenbildung – zur Verfügung steht. Prüfungsfragen: Den höchsten Lernerfolg haben alte Klausur- und Prüfungsfragen. In den seltensten Fällen wird man Lehrmaterial erstellen, das erstmalig genutzt wird und erstmalig mit einer Prüfung oder Klausur am Ende versehen wird. Selbst im dann nächsten Fall hat man schon alte Prüfungsfragen. Die Originalprüfungsfragen kann der Dozent selbstverständlich ein wenig abwandeln, z.B. aus didaktischen Gründen etwas mehr ausformulieren oder auch eine Teilfrage entfernen, weil man im Lehrstoff noch nicht soweit ist. Ich persönlich halte es auch für sehr empfehlenswert, die Prüfungsfragen mit Punkten bzw. Zeiten zu versehen. Dies fördert eine besondere Motivation bei den Lernenden, weil sie das Gefühl haben, in einer wirklichen Prüfung zu sitzen – natürlich ist es nicht einmal eine Simulation – aber es beruhigt die Lernenden.

Also nochmal zusammengefasst:

 

  • Bei jeder passenden Stelle im Lehrmaterial sollten Lernkontrollen implementiert werden,
  • Multiple-Choice bietet sich parallel zu Richtig/Falsch-Fragen an,
  • Wiederholungsfragen bieten sich parallel zu alten Prüfungsfragen an,
  • Rechenaufgaben bieten sich immer an, wenn Formeln gewusst werden müssen.

6.4.06 22:57, kommentieren