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Redefluss

Neulich sitze ich wieder mal für längere Zeit in einer Vorlesung eines frisch berufenen Professors. Er ist natürlich fit in seinem Thema und gut vorbereitet.

Immer, wenn sich dieser Professor Gedanken darüber machte, wie er jetzt einen Satz formulieren müsste, dann nahmen die "mh" und "äh" deutlich und merklich zu. Das geht wohl jedem von uns so und ist ja per se nichts Schlechtes.

Das andere Extrem gab es aber auch: sobald eine Frage gestellt wurde und - vielleicht - im Kopf des Professors automatische Mechanismen sein Wissen runterspulten, war kein einziges "mmh" ode "äh" zu vernehmen. Stattdessen sprach er schnell, zwar deutlich, aber fast ohne Punkt und Komma.

Was kann man nun einem solchen Dozenten raten, wie er damit umgehen sollte. Zwei Dinge sind bei der Analyse hilfreich:

*mh* und *äh* 

Es ist sehr anstrengend für die Zuhörer, wenn Sätze schnell sprechend begonnen werden und dann abgehackte *mh* und *äh* dazwischen liegen. Es scheint fast so, als ob das Gehirn mit dem Denken nicht hinterherkommt, während die Zunge diese Wartepausen mit *mh* und *äh* füllt. Wahrscheinlich denkt das Gehirn zu schnell und verschluckt sich wie ein stotternder Motor - findet also nicht die richtigen Worte.

Was kann der Dozent nun tun? Wie wäre es mit einer kurzen Denkpause, in der gar nichts gesagt wird?

Die Wartepausen werden also mit kurzem Schweigen gefüllt statt mit Lauten. Dabei ist eines sicher: das ist gar nicht so leicht zu bewerkstelligen. Es dauert sehr lange, bis man sich seine *mh* und *äh* abgewöhnt hat. Denn erstens muss man überhaupt bemerken, dass man schon wieder Laute von sich gibt, zweitens muss man sich daran erinnern, besser zu Schweigen und drittens muss man es auch erst mal tun. Es liegt also mehr an dem Bewusstsein, dass man Laute von sich gibt. Trauen Sie sich als Zuhörer, dem Dozenten zu sagen, dass er zu viele *mh* und *äh* von sich gibt. Mit der Zeit wird der Dozent ein inneres Gespür dafür entwickeln, sodass er seine *mh* und *äh* selbst bemerkt. Dann kann er auch etwas dagegen tun.

Mit Schweigen zwischen 2 formulierten Sätzen gelingt es dem Gehirn ganz gut, wieder genug Worte zu finden. Man geht ja auch vom Gas, wenn der Motor zu stottern beginnt und man hofft, dass er im Standgas nicht mehr stottert und sich wieder fängt.

Schneller Redefluss 

Gleichfalls ist es für den Zuhörer sehr anstrengend, wenn der Redefluss zu schnell ist - im Fall, dass sich das Wissen des Dozenten aufgrund einer Frage aus dem Auditorium einfach abspult.

Hier sollte sich der Dozent bremsen und sich bemühen, langsamer zu sprechen. Die Zunge kann zwar wahrscheinlich noch schneller werden, aber das geht meistens zu Lasten einer deutlichen Aussprache. Also muss das Denken langsamer werden. Dies ist hingegen genauso eine schwierige Aufgabe wie die obige Aufgabe, denn diesmal stottert der Motor nicht, sondern läuft auf Hochtouren.

Bei der Analyse hilft, dass sich der Dozent darüber bewusst wird, dass sein Auditorium ihm zuhören, verstehen, selbst formulieren und selbst aufschreiben muss, sodass jeder einzelne Teilnehmer auch Wochen später noch weiß, was er sich da aufgeschrieben hat. Der Dozent kann also das Schreibverhalten beobachten und während er dies macht, redet er einfach nicht weiter bzw. macht gezielt Pausen, weil er sieht, dass alle Zuhörer eifrig mitschreiben.

Eine andere Möglichkeit: der Dozent schreibt selbst mit, z.B. an der Tafel, dem Flipchart oder der Folie. Auch damit gelingt es ihm, sein Denken und Sprechen zu verlangsamen.

12.6.06 11:53

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