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Sonstiges

Gagnés Modell der Lernarten

Gagnés Modell der Lernarten entstand aus der Analyse des Phänomens "Lernen". Gagné legt bei dieser Analyse psychologische Erkenntnisse zu Grunde und kam bei seinen Beobachtungen zu einer Unterscheidung von acht verschiedenen Lernprozessen:

(1) Signallernen: Klassische Konditionierung (Pawlow, Watson). Einfaches Pawlowsches Konditionieren: Eine Autohupe ertönt. Ein Mann springt wie wild weg. Der gleiche Mann sieht ein anderes Auto, diesmal ein leises. Er springt wieder wie wild weg.


(2) Reiz-Reaktions-Lernen: Operante Konditionierung (Skinner, Thorndike, Hull, Spence). Bildung einer einzelnen Verbindung zwischen einem Reiz und einer Reaktion: Eine fette Sau wird im Uhrzeigersinn herumgedreht während ihr stolzer Besitzer, ein Psychologe, sanft sagt: "Dreh' dich". Nach jeder vollzogenen Drehung wird der lächelnden Sau ein Stück Apfel verabreicht. Nach 730 Äpfeln und 1459 Drehungen (der Psychologe aß einmal einen halben Apfel) kann die Sau sich nun drehen, wenn der Psychologe "Dreh'dich" sagt.


(3) Lernen motorischer Ketten (Guthrie, Thorndike, Skinner): Die Verbindung einer Abfolge motorischer Reiz-Reaktions-Verhaltensweisen: Sie sehen einen Mann, der sich selbst seine Zähne zieht. Er führt seine Hand zum Mund, öffnet seinen Mund und geht mit der Hand hinein, legt Daumen und Zeigefinger um den rechten oberen Eckzahn und zieht. Dann macht er mit den unteren Zähnen das gleiche.


(4) Lernen sprachlicher Assoziationen: sprachliche Assoziation (Hebb, Bruner). Die Verbindung einer Abfolge verbaler Reiz-Reaktions-Verhaltensweisen: eins, zwei, drei, vier, fünf.


(5) Lernen multipler Diskrimination: (Bruner, Skinner und Hebb). Lernen, zwischen hochgradig ähnlichen Reizinputs zu unterscheiden. Das Lemen von Diskriminationen ist eine Sache der Bildung einer Reihe verschiedener Ketten: Das Erlernen einer fremden Sprache schließt das Lernen von verbalen Ketten in dieser Sprache ein. Da diese Ketten schon in der Muttersprache vorhanden sind, müssen Lernende zwischen diesen beiden diskriminieren.


(6) Begriffslernen (Hebb, Bruner, Skinner und Piaget): Begriffslernen ist das Gegenteil von Diskriminationslernen. Es umfasst das Ordnen von Dingen zu Klassen und das Reagieren auf Klassen als Ganze.: Ein Kind lernt, dass ein englischer Setter ein Hund ist. Es sieht eine Katze und sagt: "Wauwau". Es hat ein "Wauwau"-Konzept entwickelt, wenn auch ein falsches.


(7) Regellernen (Bruner, Piaget): Gagnè versteht unter dem Erwerb von Wissen auch den Erwerb von Regeln. Dabei handelt es sich nicht nur um Merksätze wie in der Mathematik, sondern um Aussagen jeder Form. Regeln sind Begriffsketten bzw. Kombinationen von Begriffen, die sich aufgrund ihrer Komplexität unterscheiden. Durch die Kenntnis über Regeln soll man in der Lage sein, das Gelernte durchzuführen. Voraussetzung dafür ist, dass man die verknüpften Begriffe bereits vorher gelernt hat. Ein einfaches Beispiel für eine Regel wäre: Runde Dinge rollen. Dabei wird klar, dass man die Begriffe runde Dinge und rollen verstehen muss. Voraussetzung für das Regellernen ist also, dass alle Begriffe bereits bekannt sind. Das eigentliche Regellernen stellt somit das Erfassen der Beziehungen zwischen den einzelnen Begriffen dar.

"Eine Regel ist eine erschlossene Fähigkeit, die das Individuum befähigt, auf eine Klasse von Reizsituationen mit einer Klasse von Leistungen zu reagieren": Eine einfache Regel wird durch die Aussage "Psychologie macht Spaß" exemplifiziert. Diese Regel zu verstehen, schließt das Verstehen des Konzepts "Psychologie" und des Konzepts "Spaß" ein. Manche Studenten und Studentinnen verstehen weder ... noch ...

(8) Problemlösen: Die Anwendung von Regeln bringt "Regeln höherer Ordnung" hervor. Das ist das unausweichliche Ergebnis der Anwendung von Regeln auf Probleme.

Es soll ein Dorabotur gefangen werden – ein wahrlich elementares Problem.
Vier Annahmen können bei der Lösung dieses einfachen Problems hilfreich sein:

1. Doraboturen mögen Schrapse

2. Schrapse wachsen in 2-Fuß-tiefen Höhlen

3. Doraboturen haben Schwänze, die immer mindestens 3 Fuß lang sind

4. Doraboturen sind harmlos

Die Lösung kann in Form einer Regel höherer Ordnung ausgedrückt werden: Doraboturen können an ihren Schwänzen aus Schraps-Höhlen herausgezogen werden.

Konklusion: Diese Lernarten sind hierarchisch organisiert, insofern als jede Kategorie auf der vorhergehenden aufbaut. Wobei Gagné den Lernprozess des Problemlösens als den komplexesten ansieht und die Beherrschung aller anderen Lernprozesse dort dann schon voraussetzt.

1 Kommentar 26.4.08 10:18, kommentieren

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Zeitmanagement in der Lehre

Diverse Bücher schlagen für das persönliche Zeitmanagement Wochen- und Tagespläne für das Lernpensum vor. Darin würden die zu erledigenden Aufgaben nach Prioritäten eingetragen werden.

Die grundlegenden Ideen für das Zeitmenagement lassen sich aber auch für die Vorbereitung von Lehreinheiten nutzen, denn auch hier ist ein effizientes Zeitmanagament sehr wichtig: Die Sieben Gebote des guten Zeitmanagements sind:


A. Finden Sie einen Ort, an dem Sie ungestört arbeiten können

Haben Sie die Möglichkeit, sich in Ihrem Büro so zurückzuziehen, sodass Sie keiner mehr stören kann: Studenten, Sekretärin, Kollegen oder der Professor?

Oft genug sehe ich abends nach 18:00 Uhr diverse Lichter in den Büros leuchten und denke bei mir, dass jetzt erst richtig Arbeit geschafft wird.

Richten Sie sich ihren Arbeitsplatz für die Erstellung einer Lehreinheit jetzt gut ein. Entfernen Sie alles vom Schreibtisch bis auf die Dinge, die Sie benötigen: Den Locher und den Posteingangskorb können Sie sicher für kurze Zeit ins Regal hinter sich oder unter den Schreibtisch legen.

An Platz sollten Sie einplanen: drei aufgeschlagene Bücher (der Rest an Büchern liegt neben Ihnen auf dem Fußboden), die PC-Tastatur, ein Stapel für die Notizen aus Büchern und Artikeln, genügend Platz zum Lesen eines Artikels (2 Din-A4-Seiten) und den Platz für die Tasse Tee samt Gebäck/M&M Crispys.


B. Belohnen Sie sich selbst, wenn Sie eine Aufgabe bewältigt haben

Wenn Sie Planung der Lehreinheiten beginnen, dann setzen Sie sich Etappenziele: Lehreinheit in der Rohfassung fertig – Mittagessen gehen; Lehreinheit ganz fertig – Stück Kuchen holen.

Lässt die Konzentration nach oder schweifen die Gedanken ab, so erinnern Sie sich an die Belohnung und schon erhalten Sie wieder frische Kraft.

Aber: die Belohnung eines Kaffees ist spätestens beim dritten Mal kein Anreiz mehr, sich zu motivieren.

Also: eine kleine Verabredung mit dem Nachbarlehrstuhl auf einen Kaffee unten beim Kaffeestand.


C. Gehen Sie Ihre Aufgaben der Reihe nach an, und erledigen Sie die wichtigsten Dinge zuerst

Beenden Sie jede Aufgabe, bevor Sie sich der nächsten zuwenden. Es macht keinen Sinn, mehrere Artikel gleichzeitig zu beginnen nur weil der erste langweilig war und die Konzentration schmälerte.

Um die wichtigsten Dinge zuerst erledigen zu können, benötigen Sie eine Prioritätenliste.

So gibt folgende Prioritätenliste durchaus Sinn:

1. In das Lehrthema einlesen anhand des Standard-Lehrbuches;

2. Internet-Recherche nach bereits geschriebenen Lehreinheiten betreiben (das Rad muss ja nicht ständig neu erfunden werden);

3. Mittels MindMapping oder Brainstorming die Gedanken zur Lehreinheit ordnen und visualisieren (die W-Fragen stellen);

4. konkrete Sekundärliteratur recherchieren und Kopien anfertigen;

5. nach ca. fünf gefundenen Artikeln mit dem Lesen und Notieren der Key-Words beginnen – dabei stets die MindMap ergänzen;

6. weitere Literaturrecherche und Lesen der gefundenen Artikel;

7. Lehreinheit schreiben und Korrektur lesen.


D. Machen Sie regelmäßig Zwischenbilanzen

Zeitpläne und ausgearbeitete Strategien sind eine schöne Sache, aber kontrollieren Sie die Erfolge und Misserfolge. Passen Sie den Zeitplan und die Strategie daran an. Das motiviert Sie und Sie erhalten das Gefühl, voranzukommen.


E. Schreiben Sie alles auf

Es gibt ein chinesisches Sprichwort (sinngemäß: „Der schwächste Bleistiftstrich ist dem klarsten Gedächtnis überlegen.“

Wenn Sie Ideen haben, notieren Sie diese auf einem Extra-Blatt oder integrieren Sie sie in Ihre MindMap. Streichen Sie sie aus, wenn sie sich als unsinnig herausgestellt oder erledigt hat.


F. Schätzen Sie die Komplexität einer Lehreinheit richtig ein, wenn Sie den Zeitaufwand dafür planen

Wenn Sie versuchen, zuviel Arbeit in die vorhandene Zeit zu stopfen, wird das nicht Ihre persönliche Effizienz steigern, sondern Ihren Frust.

Eine gute Lehreinheit von 90 Minuten kostet sicher in der Vorbereitung 5h.

Grundsätzlich im Thema drin sind Sie sicher, sonst würden Sie nicht am Lehrstuhl arbeiten.

Aber die konkreten Inhalte sind vorher gut zu recherchieren und zu strukturieren, didaktisch aufzuarbeiten (Definition, Erklärung, Beispiel, Übungsaufgabe) und mit entsprechenden Medien zu versehen (Powerpoint, Skript, Aufgabenblätter, Folie etc.).

Das Komplettieren der Arbeit (Korrekturen, Stil, äußere Form) kostet ebenfalls einige Zeit. Lassen Sie dann die Lehreinheit nochmals einen Tag liegen und lesen Sie sie ein letztes Mal Korrektur – Sie werden überrascht sein, wie viele Fehler Sie noch finden werden.


G. Achten Sie auf Ihre körperliche Verfassung

Versetzen Sie Ihren Körper bei der Lehre und deren Vorbereitung nicht in den Ausnahmezustand. Lehre ist eine Fleißarbeit, die Sie sich selbst zeitlich einteilen können – für eine Klausur lernen zu müssen haben wir glücklicherweise hinter uns gebracht.




5.11.06 08:48, kommentieren

Arbeitsplatz Seminarraum

Neulich komme ich in einen Seminarraum, in dem die Wände in einem warmen Orange gemalert waren - hier hatte ich eine PowerPoint-Präsentation angedacht.

Gut, dass ich vor dem Unterrichtstermin die Räume begutachtet hatte, denn nur so konnte ich feststellen, dass es eine extra aufzustellende Leinwand für den Beamer gibt und ich zudem nicht meinen eigenen Beamer mitzubringen brauchte.

Das warf für mich sofort die Frage auf, ob ich diesen Seminarraum als schönen und angenehmen Ort empfinden würde. Einerseits ja, denn die warmen Farben sind eine willkommene Abwechslung zum Einheitsweiß vieler anderer Räume und vor allem Hörsäle. Andererseits waren die Seminartische und Stühle so eng gestellt - der Raum ist zu klein - dass nicht genug Raum zum Atmen bleiben wird.

Experten sagen, dass wirksames Lehren und effizientes Lernen durch eine geeignete Atmosphäre erheblich intensiviert werden könne. In so manchen Unternehmen habe ich Seminarräume gesehen, in denen neben warmen Farben genug Platz war, gute Sitzmöglichkeiten bereitgestellt wurden, Blumen blühten und Bistrotische aufgestellt waren, abgesehen von allen Medien, die man sich nur vorstellen kann: Beamer an der Decke, Overhead auf einem rollenden Tisch, Whiteboard, Flipchart und Metaplanwände (gleich mehrere). Davon träume ich in der Universität und in so manch anderem Seminarram.

Wie kann an einem kahlen und unwirklichen Ort Freude zum Lernen aufkommen? Natürlich ist es so - und das bestätigen die Fachleute auch -, dass die Begeisterung für ein Thema über manches hinwegsehen lässt und Unangenehmes ausgeblendet wird. Das geht aber nur bis zu einer gewissen Toleranzschwelle - und die ist noch dazu bei jedem verschieden hoch.

Also: Farben an die Wände, genug Freiraum für die Gedanken, Blumen (und wenn sie nur aus Plastik sind) und großzügige Sitzanordnungen.

1 Kommentar 9.3.06 08:32, kommentieren

Lernziele

Wenn ich gelegentlich mein Auditorium danach frage, welches Ziel sie mit dem Besuch meiner Veranstaltung verfolgen, dann kommt fast immer die Antwort *die Prüfung schaffen*. Genaueres Hinterfragen führt dann meist zum Minimalprinzip: Prüfung schaffen mit dem geringstmöglichen Aufwand. Die Wenigsten wollen wirklich eine gute oder sehr gute Note - das ist wohl aber eher aus dem Fach heraus begründet; Pflicht oder Wahl.

Jeder Lernende geht zur Erreichung dieses Zieles nach seinem eigenen Konzept vor: einige orientieren sich an zurückliegenden Semestern und ihrer Schulzeit - *sammeln, sammeln und kurz vor der Prüfung in einem Kraftakt alles reinziehen - das funktioniert!*

Tatsächlich funktioniert dies aus meiner Perspektive in einigen Fächern ganz gut, in anderen Fächern weniger gut. Prüfungen, die auf reine Repetition aufgebaut sind, lassen sich mit einem *Lern-Kraftakt* kurz vor der Prüfung bestehen. Prüfungen, die auf Analyse und Synthese aufbauen, lassen sich so hingegen schwer bestehen.

Zu meiner Lehrphilosophie gehört es, mein Auditorium genau darüber zu informieren, aber ich stelle fest, dass sie auf mich als Dozenten am wenigsten hören. Warum vertrauen sie mir nicht? Es könnte daran liegen, dass ich keinen echten Beitrag zu ihrem Problem liefern kann, nämlich: die Prüfung zu schaffen.

Also muss ich mir Gedanken darüber machen, wie ich meine Veranstaltungen wirklich nützlich(!) für ihr (!) Ziel gestalten kann. Ein realistisches Lehrkonzept für eine bestimmte Veranstaltung prüft auch so banale Fragen, wie die, ob für bestimmte Aktivitäten überhaupt ausreichend Zeit in der studentischen 50-Stunden-Woche oder berufsbegleitend in der Erwachsenbildung vorhanden ist.

Dazu gehört es, das Konzept vorzustellen, Anleitungen zu geben und nach einigen Stunden auch nachzufragen, ob es funktioniert, um dann Änderungen vornehmen zu können. Dies ist eine klare Absage an die verbreitete Auffassung *Ich mache ein Lehrangebot - was die Lernenden damit anfangen, müssen sie selber wissen."

Ich denke, auch erwachsene Lernende brauchen noch *Anleitung zum Arbeiten und Lernen* im Sinne des Konzeptes des lebenslangen Lernens. Das heisst, wir müssen sagen, wie wir uns das Studieren und Lernen vorstellen und wie nicht; - und wie wir glauben, dass man "die Prüfung schaffen" kann.

Oft hat es bisher geholfen, wenn ich das Auditorium ganz kollegial darauf hinwies, welche Themenkreise immer mal wieder gefragt werden und welche Themenbereiche eher selten drankommen. So gebe ich indirekt eine Prioritätenliste der Themenbereiche vor und jeder Lernende kann für sich entscheiden, welche Lücken er lassen will, um sich bei seiner Wunschnote am Ende wiederzufinden.

Prüfungsrelevant ist selbstverständlich stets der gesamte Stoff, aber wir haben doch Themenbereiche, die wir regelmäßiger fragen als andere. 

1 Kommentar 3.3.06 16:33, kommentieren

Lernebenen

Bei der Zusammenstellung des Lehrstoffes ist neben der Entscheidung, welche Inhalte den Standards der jeweiligen Fachrichtung entsprechen, insbesondere die didaktische Aufbereitung des Lehrstoffes relevant. Dazu ist es hilfreich, sich im Vorhinein darüber Klarheit zu verschaffen, welche Lernziele verfolgt werden sollen. Insbesondere in der Hochschullehre mit dem höchsten Freiheitsgrad bei der Zusammenstellung des Lehrstoffes ist dieses essenziell. Aber auch im Bereich der Erwachsenenbildung, insbesondere für Prüfungen vor der IHK, ist im Rahmenlehrplan stets angegeben, in welcher Taxonomie der Lehrstoff aufzubereiten ist.

  • Erwerb von Wissen, z.B. Wiedergabe von Fakten, Konzepten und Theorien;
  • Verständnis, z.B. Wiedergabe mit eigenen Worten, ergänzt um eigene Erklärungen;
  • Anwendung von Wissen, z.B. für die Lösung von Standardaufgaben;
  • Analyse, z.B. Vergleich einer Theorie mit einer anderen Theorie;
  • Synthese, z.B. Ableitung von Lösungsvorschlägen für eine Aufgabe aus einer oder mehreren Theorien;
  • Evaluation, z.B. Untersuchung von Stärken und Schwächen einer Theorie auf der Basis empirischer Daten.

Wenn wir also Klausuren und Prüfungsfragen erstellen, dann sollten wir uns darüber bewusst sein, ob die Lernenden diese Fragen beantworten können, weil wir unseren Lehrstoff entsprechend obiger Unterteilung didaktisch aufbereitet haben.

1 Kommentar 1.3.06 11:57, kommentieren