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Präsenzlehre

E-Kreide

Neulich nahm ich an einer Präsentation der E-Kreide teil. Ein sehr interessantes Konzept für die Lehre.

E-Kreide verbindet die modernen Medien mit der klassischen Tafel/Flipchart/Whiteboard.

Mittels eines Laptops, der ein Touchscreen mit Stift hat und einem Beamer wird die Tafel simuliert. Zusätzlich sind die Präsentationsmöglichkeiten eines Power-Points o.ä. integriert.

Was kann E-Kreide alles?

  1. Tafel ersetzen,
  2. Powerpoint ersetzen
  3. Flexibilität der Tafel nutzen/Inflexibilität von PowerPoint überwinden
  4. Skripte ersetzen
  5. Mitschreiben der Lernenden minimieren

Tafel ersetzen

Als Dozent stehen Sie mit der Front zum Auditorium, d.h. Sie sprechen niemals mehr zur Tafel.

Sie brauchen die Tafel nicht mehr zu wischen, machen sich die Hände nicht mehr weiß, sind nicht mehr auf der Suche nach Kreide, quitschen nicht mehr oder ärgern sich darüber, dass die Kreide abbricht. Der Raum wird sauberer, weil sich kein Kreidestaub mehr niederschlägt.

Powerpoint ersetzen

In Powerpoint präsentieren Sie Inhalte, z.B. anhand einer Mindmap, einer Aufzählung, einer Grafik/Schaubild oder eines Diagrammes. Diese Möglichkeit haben Sie mit der E-Kreide ebenfalls. Sie hinterlegen sich praktisch alle Ihre Grafiken, vorgefertigten Definitionen etc. auf dem Laptop und können diese an der entsprechenden Stelle des Vortrages blitzschnell abrufen und darstellen.

Flexibilität Tafel & Inflexibilität PowerPoint

Die Tafel lebt davon, spontane Einfälle des Dozenten einfach und schnell darzustellen. Powerpoint lebt davon, vorher sauber ausgearbeitete Texte, Tabellen und Grafiken schnell und einfach zu präsentieren. Dagegen ist es mit Powerpoint überhaupt nicht möglich, spontane Ideen darzustellen - Powerpoint wird also üblicherweise durch ein Whiteboard oder die Tafel ergänzt werden müssen.

Mit der E-Kreide ist beides in einem Medium möglich. Die vorgefertigten Grafiken, Tabellen, Definitionen, Schaubilder, Diagramme und was Sie alles sonst noch so auf Powerpoint darstellen, stehen Ihnen auf dem Laptop zur Verfügung - Sie werden an entsprechender Stelle einfach eingefügt. Spontane Einfälle des Dozenten oder Lehrmethoden, die ein flexibles Mitschreiben an der Tafel erforderten (z.B. Brainstorming, Aufzählungen, Vorrechnen) sind problemlos möglich. Sie haben einen Stift, mit dem Sie auf dem Touchscreen schreiben wie auf einem Blatt Papier. Der Beamer überträgt alles in Echtzeit. Sind Sie unten auf der Seite angekommen, schieben Sie sie einfach nach oben - der Touchscreen säubert sich wieder.

Wenn Sie Vorgefertigtes auf dem *Bildschrim* erscheinen lassen, so können Sie weiterhin diese Schaubilder oder Diagramme verändern, also überschreiben, ergänzen, oder markieren. Brauchen Sie z.B. ein Digramm sodann ein zweites Mal, so fügen Sie es nochmals ein und zeichnen bzw. schreiben wieder drüber.

Skripte ersetzen/Mitschreiben minimieren

Alles was Sie schreiben und alles Vorgefertigte, landet in einer großen PDF-Datei, die nach Beendigung des Vortrages sofort per email an alle Teilnehmer gesandt wird (sofern natürlich vorher die email-Adressen eingetragen wurden). Es wird damit sichergestellt, dass die gesamte Unterrichtseinheit vollständig bei den Teilnehmern vorliegt. So können sich alle Teilnehmer gleichfalls auf den Dozenten konzentrieren und erhalten hinterher sämtliche Mitschriften. Wer auch mal einen Termin fehlt, erhält trotzdem ohne mühseliges Fragen bei einem anderen Teilnehmer (und wer gibt schon gerne seine eigenen Mitschriften raus) den Unterrichtsstoff.

Für mich eine klasse Sache und der Einsatz dieses Mediums macht fast ein bisschen Spaß :-)

Eine passende Homepage gibt es auch schon dafür: www.e-kreide.de

 

1 Kommentar 12.6.06 12:33, kommentieren

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Redefluss

Neulich sitze ich wieder mal für längere Zeit in einer Vorlesung eines frisch berufenen Professors. Er ist natürlich fit in seinem Thema und gut vorbereitet.

Immer, wenn sich dieser Professor Gedanken darüber machte, wie er jetzt einen Satz formulieren müsste, dann nahmen die "mh" und "äh" deutlich und merklich zu. Das geht wohl jedem von uns so und ist ja per se nichts Schlechtes.

Das andere Extrem gab es aber auch: sobald eine Frage gestellt wurde und - vielleicht - im Kopf des Professors automatische Mechanismen sein Wissen runterspulten, war kein einziges "mmh" ode "äh" zu vernehmen. Stattdessen sprach er schnell, zwar deutlich, aber fast ohne Punkt und Komma.

Was kann man nun einem solchen Dozenten raten, wie er damit umgehen sollte. Zwei Dinge sind bei der Analyse hilfreich:

*mh* und *äh* 

Es ist sehr anstrengend für die Zuhörer, wenn Sätze schnell sprechend begonnen werden und dann abgehackte *mh* und *äh* dazwischen liegen. Es scheint fast so, als ob das Gehirn mit dem Denken nicht hinterherkommt, während die Zunge diese Wartepausen mit *mh* und *äh* füllt. Wahrscheinlich denkt das Gehirn zu schnell und verschluckt sich wie ein stotternder Motor - findet also nicht die richtigen Worte.

Was kann der Dozent nun tun? Wie wäre es mit einer kurzen Denkpause, in der gar nichts gesagt wird?

Die Wartepausen werden also mit kurzem Schweigen gefüllt statt mit Lauten. Dabei ist eines sicher: das ist gar nicht so leicht zu bewerkstelligen. Es dauert sehr lange, bis man sich seine *mh* und *äh* abgewöhnt hat. Denn erstens muss man überhaupt bemerken, dass man schon wieder Laute von sich gibt, zweitens muss man sich daran erinnern, besser zu Schweigen und drittens muss man es auch erst mal tun. Es liegt also mehr an dem Bewusstsein, dass man Laute von sich gibt. Trauen Sie sich als Zuhörer, dem Dozenten zu sagen, dass er zu viele *mh* und *äh* von sich gibt. Mit der Zeit wird der Dozent ein inneres Gespür dafür entwickeln, sodass er seine *mh* und *äh* selbst bemerkt. Dann kann er auch etwas dagegen tun.

Mit Schweigen zwischen 2 formulierten Sätzen gelingt es dem Gehirn ganz gut, wieder genug Worte zu finden. Man geht ja auch vom Gas, wenn der Motor zu stottern beginnt und man hofft, dass er im Standgas nicht mehr stottert und sich wieder fängt.

Schneller Redefluss 

Gleichfalls ist es für den Zuhörer sehr anstrengend, wenn der Redefluss zu schnell ist - im Fall, dass sich das Wissen des Dozenten aufgrund einer Frage aus dem Auditorium einfach abspult.

Hier sollte sich der Dozent bremsen und sich bemühen, langsamer zu sprechen. Die Zunge kann zwar wahrscheinlich noch schneller werden, aber das geht meistens zu Lasten einer deutlichen Aussprache. Also muss das Denken langsamer werden. Dies ist hingegen genauso eine schwierige Aufgabe wie die obige Aufgabe, denn diesmal stottert der Motor nicht, sondern läuft auf Hochtouren.

Bei der Analyse hilft, dass sich der Dozent darüber bewusst wird, dass sein Auditorium ihm zuhören, verstehen, selbst formulieren und selbst aufschreiben muss, sodass jeder einzelne Teilnehmer auch Wochen später noch weiß, was er sich da aufgeschrieben hat. Der Dozent kann also das Schreibverhalten beobachten und während er dies macht, redet er einfach nicht weiter bzw. macht gezielt Pausen, weil er sieht, dass alle Zuhörer eifrig mitschreiben.

Eine andere Möglichkeit: der Dozent schreibt selbst mit, z.B. an der Tafel, dem Flipchart oder der Folie. Auch damit gelingt es ihm, sein Denken und Sprechen zu verlangsamen.

12.6.06 11:53, kommentieren

Wegweiser durch den Lehrstoff

Beim Wandern nimmt man die Karte, im Auto wird das Navigationssystem bemüht. Was aber machen wir in der Lehre? Bestenfalls gibt es ein Gliederungsschema oder den Hinweis auf ein Lehrbuch mit entsprechender Kapitalangabe.

Besser ist es hingegen, wenn wir Dozenten gelegentlich den geschritten Weg kurz in Erinnerung rufen und zudem nochmals kurz zeigen, was noch vor uns liegt. Niemand will beim Wandern auf die nächste Abzweigung hoffen, auf das dort endlich das Ziel vor uns emporragt. Wir wollen schon genau wissen, wie lange wir noch wandern und was wir - in etwa - noch so alles sehen werden. 

Ein paar Wegweiser sind da ganz hilfreich. - Besonders schwierig ist es am Anfang einer Wanderung, wie jeder erfahrene Wanderer weiß. So ist es auch in den Lehrveranstaltungen. Unsere Zuhörer erwarten von uns eine Hilfe zur Orientierung - und das ganz besonders am Anfang der Veranstaltung.

Um den Überblick zu behalten, müssen sie wissen, wo sie sich befinden, wo das, was wir vortragen werden, einzuordnen ist. Daher müssen wir für sie Wegweiser zur Orientierung aufstellen. Dann können Sie sich mit Hilfe ihrer - jeweils ganz persönlich strukturierten - geistigen Landkarte zurechtfinden. 

Wo sind wir hier? - Im Vortrag beantworten wir das meist so, dass wir auf der geistigen Landkarte von den großen Orientierungspunkten ausgehen, die alle kennen, und dann das kleine Dorf suchen, von dem aus unsere Exkursion startet. In der fortlaufenden Lehrveranstaltung beschreiben wir den Weg, den wir bisher gemeinsam gegangen sind und finden so den Punkt, an dem die heutige Wanderung beginnt.

Wohin gehen wir? - Die Wanderung wird Freude machen, wenn wir die zu erwartenden Schönheiten beschreiben und schildern, wie wir dorthin kommen werden. Übertragen heißt das: unsere Zuhörer werden motiviert, uns zuzuhören - sie "lernen besser". Stellen wir Wegweiser für sie auf!

Es sind übrigens drei Fragen, die uns dies beantworten:

  • Woher kommen wir?
  • Wo sind wir?
  • Wohin gehen wir?

Bisher habe ich ganz gute Erfahrungen mit einem MindMap gemacht - was ja "etwas freier" übersetzt auch geistige Landkarte heißt. Versuchen Sie sich mal daran. Der Computer unterstützt Sie mit professionellen Programmen wie MindManager, aber es gibt auch kostenlose Programme wie Inspiration Professionel.

Andernfalls hilft ein sauber gezeichnetes MindMap auf dem Papier.

1 Kommentar 13.3.06 20:11, kommentieren

Wiederholungsfragen

Aus der Lernforschung ist mittlerweile bekannt, dass Lehr- und Lernformen bevorzugt eingesetzt werden sollten, in denen existierendes Wissen auf seine Anwendbarkeit überprüft, ausgewählt und variiert wird. Dies fördere kreatives Denken und die Anwendbarkeit auf die Lösung neuer Probleme und Fragestellungen.

Zu Beginn einer jeder Lehrveranstaltung mit nicht mehr als 25 Lernenden hat sich meiner Erfahrung nach ein Bogen mit Wiederholungsfragen aus der letzten Lehrveranstaltung bewährt. Dort sind sowohl einfache Repetitionsfragen (nennen, definieren) als auch Anwendungen zu Konzepten oder Theorien enthalten (beschreiben, erklären) - so müssen die Lernenden in der Lage sein, die Theorie auf einen Praxisfall anwenden zu können.

Meistens gelingt dies nicht so gut und ich stelle fest, dass es mehrere grundsätzliche Quellen dafür gibt:

  • die Lernenden haben den Stoff nicht nachbearbeitet und deshalb einen Großteil wieder vergessen, was auf das Eichhörnchen-Syndrom schließen lässt;
  • sie haben die Inhalte der letzten Lehrveranstaltung nicht verstanden, aber trauten sich nicht, nachzufragen;
  • sie können die Konzepte und Theorien nicht auf den Praxisfall anwenden.

Der Grund für die Wiederholungsaufgaben ist für mich, den Lernenden vor Augen zu führen, wie sehr die Wissenslücke von Woche zu Woche wächst. Gelegentlich gebe ich Hinweise darauf, dass es soviel Lernstoff ist, dass es nicht *mal eben schnell* kurz vor der Abschlussprüfung in den Kopf gehämmert werden kann.

Zur Motivation der Lernenden nehme ich gelegentlich einfach alle Bögen mit, korrigiere sie und vergebe darauf Punkte, die aber nicht in die Endnote eingehen, sondern ein Feedback für die Lernenden sind. Es hat sich aber auch bewährt, die Antwortbögen zwischen den Lernenden auszutauschen und jeweils von den Lernenden benoten zu lassen; so erhalten sie einen direkten Einblick, was andere Lernende formulieren und welcher *Qual* der Dozent beim Korrigieren der Abschlussprüfung ausgesetzt ist (wegen meistens sehr schlechtem Schriftbild).

2.3.06 11:18, kommentieren

Mitschreiben

Soll das Auditorium in der Lehrveranstaltung mitschreiben?

Heute gibt's doch Kopierer, das Internet, PDF und Lernplattformen - alles kann also lernergerecht aufbereitet zur Verfügung gestellt werden. Das Auditorium sitzt dann über den Unterlagen und kann ungestört den Ausführungen des Dozenten folgen, gelegentlich eine Randbemerkung auf die Unterlagen schreiben und sich ansonsten auf den Stoff konzentrieren.

Dies hat den Vorteil, dass dem Eichhörnchen-Syndrom entgegengewirkt wird, aber den Nachteil, dass evtl. niemand mehr in die Lehrveranstaltung kommt, weil doch alles so schön aufbereitet ist. Beide Argumente lassen sich nicht entkräften und jeder Dozent steht stets vor der Wahl: Skript oder nicht Skript.

Ich selbst bin ein Skript-Fan: da wird alles didaktisch aufbereitet über das Internet zur Verfügung gestellt und ich erwarte ausschließlich, dass die Prüfung bestanden wird. Ich verzichte also auf das Mitschreiben des Auditorium.

Warum aber kritzeln wir eine Formel oder eine Zeichnung noch einmal neu aufs Papier, obwohl sie gedruckt vor uns steht?

Schreiben ist eine sehr wirksame Arbeitstechnik, um sich etwas anzueignen. Dadurch, dass ich es handwerklich, in meiner mir eigenen Handschrift, in meiner mir eigenen Anordnung schreibe, wird es mir zu eigen, es geht in meinen Besitz über.

Mitschreiben gibt es als bloßes Abschreiben, etwa von der Tafel, der Folie oder der PowerPoint-Präsentation - das ist schon ganz gut. Viel anspruchsvoller wird es, wenn nicht das (Folien-)Bild, sondern das gesprochene Wort wesentliche Informationen trägt. Dann besteht Mitschreiben aus Zuhören, Extrahieren des Wesentlichen und Niederschreiben. Ein Mitlesen in einem vorgefertigten Skript ist keinerlei (!) Äquivalent für diesen Prozess, weil das Handwerk fehlt.

Zumal ich als Dozent keine Lust zum Vorlesen des Skriptes habe. Also muss meine Lehrveranstaltung bereits anders aufgebaut sein: ich suche gezielt die schwierigen Lernpassagen heraus und entwickle dazu Gedanken mit dem Auditorium. Jetzt können diese Gedanken das Skript ergänzen, optimieren oder komplettieren. Dabei entsteht aber gleich das nächste Problem, denn Mitschreiben in diesem Sinne (Hören, Extrahieren, Schreiben) können die meisten Lernenden nicht. Von der Folie abschreiben: ja; ein gesprochenes Wort für wichtig halten: das fällt schwer.

Wenn sie Mitschreiben lernen sollen, müssen wir sie dazu anleiten. Dies geht nur in kleinen Einzelschritten und in mühseliger Kleinarbeit - die entsprechende Methodenkompetenz müssen wir Dozenten uns dafür aneignen.

1 Kommentar 28.2.06 17:26, kommentieren